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Gedichte zur Goldenen Hochzeit

Die Goldene Hochzeit ist sozusagen die Königin der Hochzeitstage. Sie wird nach 50 Ehejahren gefeiert; eine Anzahl an Jahren, auf die es wohl die wenigsten bringen. Gerade darum sollte dieser Tag ganz besonders gefeiert und geehrt werden.



Franz Grillparzer: Golden, silbern, eisern, ehern

Franz Grillparzer: Golden, silbern, eisern, ehern

Golden, silbern, eisern, ehern
nennt die Alter man der Welt,
und zum mindern von dem Höhern
schreitet fort sie, wird erzählt.

Doch der Mensch in unsern Tagen
sieht die Alter sich verkehrt:
Jugend, die schon Sorgen plagen,
zeigt nur eisern ihren Wert.

Erzgewappnet geht das Leben,
selbst die Liebe wird zum Streit,
und dem stets erneuten Streben
liegt der Ruhe Glück so weit.

Erst nach durchgekämpften Jahren
lacht das Schicksal wieder hold,
und mit Silber in den Haaren
wird die Zeit, die Ehe - Gold.

(Franz Grillparzer, 1791 - 1872)

Johann Gottfried Herder: Die goldne Hochzeit

Johann Gottfried Herder: Die goldne Hochzeit

Vor manchen, manchen Jahren,
Als ich zuerst Dich sah,
War Deine Locke rabenschwarz,
Braun Deine Wange da.
Jetzt ist die Wange blässer,
Wie Silber glänzt Dein Haar,
Und dennoch bist Du lieber mir,
Ja lieber,
Als mir der Jüngling war.

Des Lebens schroffen Hügel
Erstiegen Hand in Hand
Wir, wie es Wind und Wetter gab,
Hin über Fels und Sand.
Jetzt ist der Abend milder,
Wir stiegen sanft hinab,
Und dort am Fuß erwartet uns
Zusammen
Ein Brautgemach, das Grab.

Wolauf, Ihr Söhn' und Töchter,
Singt unsern Hochgesang
Und streuet Myrten vor uns her
Den kurzen Weg entlang!
Und preiset jede Stunde,
Die uns der Himmel gab!
Je länger und je lieber,
Je lieber,
Umschatt' einst unser Grab!

(Johann Gottfried Herder, 1744 - 1803)

Marie Luise Büchner: Zu einer goldnen Hochzeit

Marie Luise Büchner: Zu einer goldnen Hochzeit

Schweift der Geist zurück in jene Tage
Alter Zeiten, Schön'res er nicht findet,
Als das Schicksal, welches eine Sage
Uns von Philemon und Baucis kündet.

Treuerprobt im Glücke und im Leide,
Wuchs ihr Leben so in Eins zusammen,
Dass - damit der Tod sie niemals scheide,
Ließ ein Gott aus ihnen Bäume stammen

Deren Zweige unauflöslich breiten
Sich zum Schattendache, und ein Tempel
Werden vielen Paaren, die voll Freuden
Nehmen dran ein liebendes Exempel.

Und mir däucht, es sei in diesem Paare
Philemon und Baucis neu erstanden -
Silberhell erglänzen ihre Haare,
Golden ihrer Treue feste Banden.

Treuerprobt im Glücke und im Leide,
Wuchs ihr Leben ganz in Eins zusammen,
Doch ein mild'rer Gott noch ließ für Beide
Höh're Freude, süß'res Glück entstammen.

Noch im Vollgenuß der Lebensfülle,
Frisch am Geiste, frisch des Herzens Triebe,
Feiern sie in edler Menschenhülle
Heut' das seltne Jubelfest der Liebe!

Wohl seh' ich zwei Bäume sich verschlingen,
Doch nur als Symbol von jener Sage -
Lass't es euch von treuen Freunden bringen,
Die sich mit euch freu'n an diesem Tage!

(Marie Luise Büchner, 1821 - 1877, aus: Frauenherz. Erzählende und Gelegenheits-Gedichte)

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