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Gedichte zum Polterabend

Der Vorabend vor der Hochzeit ist ein weit verbreiteter Brauch. Meist wird Geschirr zerbrochen (darum der Name "Polter"-Abend), um dem Brautpaar Glück zu bringen und es werden Reden auf die zukünftigen Eheleute gehalten.



Wilhelm Busch: Klagelied eines Junggesellen

Wilhelm Busch: Klagelied eines Junggesellen

Mir fehlt etwas, mir ist nicht recht,
doch wüsst ich wohl, was ich wohl möcht.
Ich möchte was und weiß warum,
das geht mir so im Kopf herum.

Heut sprangen mir von meiner Hos'
schon wieder mal zwei Knöpfe los.
Da setzt ich mich und näht herum w
ohl eine Stund, bis ich ganz krumm.

Bin dann zu Probsten hingerennt,
zu schlürfen, was man Kaffee nennt.
Da fühlt ich wieder mal so recht,
dass mir was fehlt, was ich wohl möcht.

Ein Gast, ein traurig schmerzensvoller,
saß ich zu Mittag darin beim Koller.
Die Serviette war beschmutzt,
die Gabel war nicht abgeputzt,
kurzum, ich fühlte da so recht,
dass mir was fehlt, was ich wohl möcht.

Und abends in der Dämmerfrist,
wenn man so ganz alleinig ist,
da möcht ich wohl so dann und wann
etwas zu titscheln-tatscheln hab'n.
Jedoch - da fühle ich so recht,
dass mir was fehlt, was ich wohl möcht.

Was soll der Mensch des Abends tun?
Ich denk, zum Kappier geh ich nun.
Da sitz ich so bei meinem Bier
als wie ein rechtes Murmeltier
und fühle wieder mal so recht,
dass mir was fehlt, was ich wohl möcht.

Nun tönt die Glocke zwölf vom Turm.
Ich muss nach Haus, ich armer Wurm.

(Wilhelm Busch, 1832 - 1908)

Joachim Ringelnatz: Ein Taschenkrebs und ein Känguruh

Joachim Ringelnatz: Ein Taschenkrebs und ein Känguruh

Ein Taschenkrebs und ein Känguruh,
Die wollten sich ehelichen.
Das Standesamt gab es nicht zu,
Weil beide einander nicht glichen.

Da riefen sie zornig: »Verflucht und verdammt
Sei dieser Bürokratismus!«
Und hingen sich auf vor dem Standesamt
An einem Türmechanismus.

(Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934, aus: Das Gesamtwerk in sieben Bänden)

Theodor Storm: Einer Braut am Polterabend

Theodor Storm: Einer Braut am Polterabend

Ich bringe dir ein leeres weißes Buch,
Die Blätter drin noch ohne Bild und Spruch.

Sie sollen einst, wenn sie beschrieben sind,
Dir bringen ein Erinnern hold und lind;

An liebe Worte, die man zu dir sprach,
An treue Augen, die dir blickten nach. -

Drauf log ich dir von dunklem Myrtenreis
Den grünen Kranz, der aller Kränze Preis.

Nimm ihn getrost! Denn muß ich auch gestehn,
Er wird wie alles Laub dereinst vergehn,

So weiß ich doch, wenn Tag um Tag verschwand,
Hältst du den Zweig mit Früchten in der Hand.

(Theodor Storm, 1817 - 1888, aus: Gedichte (Ausgabe 1885))

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